Coro-no, Coro-ni, Coro-naaa!

Wer will dazu schon noch was lesen?

Aber hier soll es keineswegs um Infektionszahlen, Isolationsmassnahmen und Mundschutz gehen. Nicht mal um Klopapier.

Corona heisst „die Krone“. Das Virus wurde so benannt, weil es unter dem Mikroskop zunächst zweidimensional wie eine Krone aussah.

Der Begriff „Krone“ findet sich in beinahe allen Bereichen der Mystik. Was ja durchaus mal ganz interessant ist.

In der jüdischen Mystik kommt, unter anderem, die Krone innerhalb der Kabbalah (dem Baum des Lebens) vor. Hier wird sie als Kether bezeichnet und symbolisiert „Das Göttliche“, aus dem alles, was Leben ist, hervorging – und das auch gemeint ist, wenn es heisst, „alles Gute kommt von oben!“.
Dann wäre da die christliche Mystik. Hier wird der Mensch oft als „Krone der Schöpfung“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist sehr entscheidend im Zusammenhang mit dem „Auftrag“, den Gott den ersten Menschen seiner Schöpfung gab, und der, laut christlicher Mystik, mehr Einblick in den persönlichen Lebensweg zu geben vermag, als jeder Selbsthilferatgeber oder Persönlichkeits-Coach.
Die Dornen-Krone von Jesus dem Christus spielt eine symbolisch sehr zentrale Rolle im „Passionsweg“, der zugleich einen Einweihungsweg in die christlichen Mysterien umschreibt.
Die Naturwissenschaften fallen mir ein, wo „Corona“ u.a. für Sonnenstrahlen steht (Sonnenkorona).
Oder die Koronararterien – die beiden Arterien, die kranzförmig das Herz umgeben und es mit Blut versorgen.

Während in den Medien eine erstaunliche Dauer-Beschallung zu dem Thema läuft, gibt es in geistig-spirituellen Kreisen im Kern eine Frage: Chance oder Untergang?

Untergang:
Nicht nur, dass wirtschaftliche und soziale Einbussen absehbar bzw. bereits in vollem Gange sind, es blühen auch an allen Ecken und Kanten diverse Verschwörungstheorien, von denen manche glaubhafter als andere sind. Sicher ist: in Windeseile wurden unsere Bürgerrechte beschnitten und in ruhiger Gelassenheit haben wir es unter den Zwängen der Sachlage hingenommen.

Chance:
Nachdem ein Großteil des sozialen und wirtschaftlichen Lebens auf ein Mindestmaß heruntergefahren wurde, wird all das wieder in die Gänge kommen – und wir haben eine bewusste Entscheidung, auf welche Art das geschieht.
Die Natur atmet merklich durch. Die Luft riecht wie in meiner Kindheit (vor 40 Jahren).

Beides:
Was – so aus meiner persönlichen Sicht – besonders herausragt, egal ob ganz persönlich oder absolut global, ist die Konfrontation mit „Schatten“. Damit ist im mystischen und jungianischen Kontext das Verdrängte, Unsichtbare, unter den Teppich Gekehrte gemeint.
Nicht nur massive Existenzängste äussern sich in Hamsterkäufen und Überstunden bei der Bundesbank (da alle, aus Angst vor HyperInflation, ihr Geld von der Bank holen), sondern auch das Vermissen von Freundschaften, das Geniessen von NichtZurArbeitMüssen, die existenzielle Sorge um liebe und geliebte Menschen, das soziale Pflichtgefühl, das Aufbegehren gegen „Anordnungen“ und „Autorität“ (Staatsgewalt), die Eigenheiten der Kinder, die Eigenheiten des plötzlich ständig präsenten Partners, die eigene Identifikation mit Beruf, Freunden, Hobbies,…. unendlich viele Dinge werden manchen Leuten grade bewusst. Dinge, die sonst unter Zwängen und Alltag ins Unbewusste gekehrt und nie wirklich wahrgenommen werden.

Die Wahl liegt bei uns.

Wir können es als Chance und Möglichkeit zur Neustrukturierung begreifen. Dann liegt das nicht in der Zukunft, sondern es passiert jetzt und hier. Jeder Mensch kann entscheiden, wem oder was er „die Krone aufsetzt“.
Wer nun durch das Internet zieht und die verschwörerischen Absichten einer übermächtigen Elite beschwört, trifft ebenso eine Wahl, wie derjenige, der sich seine Sorge und seine Ängste deutlich bewusst macht, um dahinter die Liebe und Motivation zu erkennen.

Oft geht es auf dem Mysterienweg um genau jene Wahl:
Die Gereiztheit, weil ich heute wieder nicht zur Arbeit gehen kann, ist zugleich ein Ausdruck von Liebe für meinen Job.
Der Lagerkoller ist zugleich eine tief empfundene Liebeserklärung für die Freiheit, die ich nun vermisse.
In jedem Minus verbirgt sich ein Plus, und umgekehrt.
Der französische Regierungs-Chef Marcron sprach von der Situation seines Landes als „Kriegszustand“. Viele Medien weltweit sprechen jetzt schon vom „Wiederaufbau nach der Krise“. Obwohl ich der Lage ihren Ernst nicht absprechen will, halte ich das für etwas übertrieben, aber:
Wir werden alle entscheiden müssen und dürfen, was wir in den „Trümmern“ zurück lassen und was wir wie wieder aufbauen. Wenn wir uns jetzt klar machen, was uns, im wahrsten Sinne des Wortes, am Herzen liegt, können wir unsere Energie bewusst in diese Richtung lenken.

αΩαΩαΩ

Ein paar ganz persönliche Erfahrungen zum Thema Existenzängste möchte ich an dieser Stelle teilen:
Die letzte Wirtschaftskrise hat mich fies und knallhart erwischt. Ich hatte zwei familiäre Pflegefälle betreut und mich grade, viel zu spät, mit Anfang 30, selbständig gemacht, als mir die allgemeine Wirtschaftslage den Boden unter den Füssen wegriss.
Zwischen 2007 und 2015 (ja, es hat lange gedauert) lebte ich mehr schlecht als recht in einem sehr runter gerockten Haus, manchmal ohne Heizung und Strom, mit Eisblumen von innen an den Fenstern, ohne Krankenversicherung von manchmal nur 80,-Euro im Monat.
Sicher, ich hätte staatliche Hilfe beantragen können, doch das war eine meiner ersten Erkenntnisse dabei: die Kontrolle, der ich dann ausgesetzt gewesen wäre, war mir die finanzielle Hilfe, die ich erhalten hätte, nicht wert.

Ich hatte keine Kinder, aber „Schutzbefohlene“ (einen Hund, zwei Pferde) – und mir ist bis heute unbegreiflich, wie ich uns alle durch diese Krise gebracht habe. Aber ich betrachte diese Zeit, rückblickend, sowohl als fürchterlichste Zeit meines Lebens, als auch als eine der kostbarsten „Lektionen“, die ich jemals gelernt habe.
Es hat mir sehr viel Ruhe und Sicherheit gegeben, erlebt zu haben, wie wenig ich brauche und was ich alles „überleben“ kann.
Ja – auch das: es gab einen Tag, als mir dann auch noch die mir wichtigsten Menschen in meinem Leben, unter dem finanziellen Druck den Rücken zukehrten, an dem ich mir das Leben nehmen wollte.
Es war ein mir eigentlich Fremder, der mir an diesem Tag eine kurze Mail schickte und schrieb: „Du hast Würde. Halte noch drei Tage durch.“
Ich hielt drei Tage durch – es passierte kein Wunder. Alles blieb erstmal schrecklich – doch den Punkt, an dem ich beinahe aufgegeben hätte, hatte ich überwunden.

Ich habe lange gebraucht, um in diesem „Horror“ meine Lebensqualität wieder zu finden. Nachdem ich vorher meine Pflegefälle betreut und all meine Energie darauf gerichtet hatte, und nachdem ich grade erst, mit der Ängstlichkeit des Neubeginners, in die Selbständigkeit gestartet war, fehlte mir jedwede Orientierung, welche „Quelle der Kraft“ ich hätte anzapfen können. Da waren, wie gesagt, keine Kinder, da war kein Partnern, da war – so schien es mir damals – NICHTS.

Es erfüllt mich mit tiefstem Mitgefühl, dass ich weiss, dass manche Menschen nun am Anfang solch einer, oder einer ähnlichen, Erfahrung stehen. Ich wünschte so sehr, es wäre in meiner Macht, es für Euch leichter zu machen!
Doch jenseits von jedem hochgeistigen, spirituellen oder esoterischen Gequatsche schlägt das Leben zu – und die Wahrheit ist: Shit happens. Und das ist untertrieben, denn in „happens“ steckt fast ein Versprechen, dass sie passiert, kurz und knackig, und dann vorbei ist. Doch es passiert auch jene Schei*e, die einfach nicht aufzuhören scheint. Die Existenzen und Beziehungen ruiniert, Träume vernichtet, die man einfach, klar gesagt, NICHT VERDIENT HAT.
Sie passiert, wie der Maus die Katze passiert, wie dem Baum der Blitz, wie dem Vogel die Fensterscheibe – sie passiert weder als „Strafe“, noch als „Lektion“ – sondern sie passiert einfach so, und das ist das Schlimmste von allem…

Doch anders als die Maus, der Baum oder der Vogel haben wir die Wahl, es zu einer „Strafe“ oder einer „Lektion“ zu machen – oder gar zu einem Schatz, den wir am Ende gefunden haben werden. Es lohnt sich, sich für sich und das Leben zu entscheiden!

Allen, die wissen oder wissen werden, was ich damit meine, möchte ich eines sagen:

Du hast Würde.
Für Deine Würde: halte durch!

Mysterienschulen?

Derzeit beobachte ich, dass das Thema „Mystik“ einen gewissen Boom erlebt. Viele amerikanische „spirituelle Lehrer“ greifen das Thema auf. Es gibt da sogar ein kleines, blaues Männchen, das seltsame, aber erfolgreiche youtube-Videos hostet, und Anfang diesen Jahres 2020 eine „Mysterienschule“ eröffnet hat.

Normalerweise heisst es ja „leben und leben lassen“ – doch es gibt da einen Punkt, den ich thematisieren muss:

Dieser junge Mann möchte von seinen hauptsächlich jungen Followern gerne $398,- bis $823,- „Einschreibegebühren“ PLUS monatlich $19,- als freundliche Spende. Dazu steht über dem Eingang seiner „geistigen Mysterien“-Schule, nach eigenen Angaben einem Zuhause für den modernen Mystiker, auch noch „Let no profane enter here…“ (frei übersetzt: Betreten für Weltliche/s verboten…). Ein Schriftzug, der, nach Angaben des eklektischen Blaumännleins, über dem Eingang der antiken Mysterienschulen prangte.

Jup. Man merkt es mir wohl an: in manchen Bereichen muss ich eindeutig noch an meiner Gelassenheit feilen 😉

Klären wir zunächst die verwendeten Begriffe:
„Profan“ bedeutet schlicht „weltlich“. Es hat in unseren modernen Sprachgebrauch zwar als „zweitrangig-kleinbürgerlich-engstirnig“ Einzug gehalten, bedeutet aber im Kontext der Mysterien einfach „real, anfassbar und alltäglich“. Weltlich ist der Laptop, auf dem ich schreibe, der Baum vor meinem Fenster, das CO2, H2O und O2, das er verstoffwechselt, mein Körper, meine heiss geliebte Badewanne, mein Verstand, mein Beruf, mein täglich Brot,… Kurz: alles Lebensnotwendige.

Das Gegenstück zu profan ist „sakral“, übersetzt: „heilig“. Damit beschreibt man alles Geistige und Spirituelle. Sakral ist der Laptop, auf dem ich schreibe, der Baum vor meinem Fenster, das, was er verstoffwechselt, mein Körper, meine heiss geliebte Badewanne, mein Verstand, mein Beruf, mein täglich Brot,… Kurz: alles, in dem mein kleiner Geist das Heilige zu erkennen fähig ist (oder zu sein glaubt oder zu sein glauben wollen würde 😉 ).

Nun stellt sich die Frage: ist es profan oder sakral, von einem Schüler, der gewillt ist, sich dem Thema Mystik zu widmen, relativ viel oder wenig Geld zu verlangen?
(Und falls ja: was regt die selbsterklärte Mystikerinnen-Tussi daran scheinbar so auf? ;-))

Zunächst sei gesagt, dass ich mir um die „Mysterien“ wenig Sorgen mache. Zu Beginn meiner damals noch unbewussten Reise sagte mir eine Lehrerin dazu: „Alles ist relativ unsicher, aber eines ist absolut sicher: das Mysterium schützt sich selbst!“
Es hat viele Jahre gedauert, bis ich diesen Satz in seiner profanen Tragweite begriffen habe, und ich bin beinahe sicher, dass es noch sehr viele mehr braucht, um ihn in auf einer sakralen Bedeutungsebene zu erfassen, doch es stellte sich heraus: es handelt sich dabei um ein astreines Mysterium. Im Wortsinn: um eine absolute Wahrheit.
Man kann Mysterien weder käuflich erwerben, noch verkaufen, lesen oder verstehen. Man kann sie suchen, ihnen begegnen, sie erkennen und verinnerlichen.

Einen Weg, das zu tun, weisen die klassischen Mysterienschulen auf.

Ich bin nicht der Meinung, dass jeder Weg ans Ziel führt und jeder Mensch mystische Erfahrungen macht. Ich bin auch nicht der Meinung, dass jeder von uns eine innere Führung hat, die uns immer an den richtigen Ort zur richtigen Zeit führt und uns mit jenen Erfahrungen versorgt, die uns langfristig alle „zur Erleuchtung führen“… Innerhalb der modernen Spiritualitäten-Szenen hört man das nicht gerne, aber es ist leider so: wer nicht bewusst die Ent-Täuschung sucht, wird am Ende dieses Irrweges immer enttäuscht sein, aber wohl kaum „erleuchtet“.
Ich mache mir also keine Sorgen um das Mysterium. Das kümmert sich gut um sich selbst. Allerdings habe ich in meinem Leben genug Enttäuschungen erlebt, um tiefes Mitgefühl für die InDieIrreGeführten und, nennen wir das Kind beim Namen, auf ihrer Suche gnadenlos Ausgebeuteten zu empfinden.

Solch Suchenden und nach Weisheit und Erkenntnis Strebenden sei gesagt:

Es gibt sowohl das echte Mysterium, als auch die echten Mysterienschulen!

Über ihrem Eingang würde niemals stehen „Zutritt für Weltliche/s verboten!“, sondern meistens steht da, von aussen betrachtet, gar nichts – und von innen, wenn überhaupt, steht da:
„Kein nach Weisheit Strebender, der an diese Pforte klopft, sei abgewiesen.“

Die (klassischen) Mysterienschulen finanzieren sich meist über Spenden ihrer Mitglieder, verlangen aber einen kleinen Obulus (zwischen 19,- und 100,-€ im Monat) von ihren „Anwärtern“. Kann man diesen Betrag nicht stemmen, gibt es keine „ernsthafte“ Mysterienschule, mit der man nicht eine Einigung finden könnte.

Man zahlt auf einer anderen Ebene, weil man auch auf einer anderen Ebene „empfängt“. Mein Mentor, der die lästige Eigenart hat, sich über mich lustig zu machen, hat, seit ich mich über diese kommerzialisierte(n) Mysterienschule(n) aufrege, gerne einen freundlichen Hinweis für mich: immer, wenn ich über zu viel Lernstoff oder Anstrengung klage, sagt er zu mir: „Maul nicht. Du kannst es billiger haben. Nur rund 1000 Dollar bei deinem blauen Freund, und du sparst dir die Mühe!“

Aber die Antwort darauf stammt von keinem Mystiker, sondern von meiner Oma:
„An der falschen Stelle sparen ist manchmal sehr teuer!“

 

 

 

 

Die mystische Reise

Mystik ist – das muss man sich immer mal wieder vergegenwärtigen – ein Luxus. Und keinswegs so abstrakt, wie sie oft „gehandelt“ wird. Grundlage der Mystik sind die (so genannten) Freien Künste der Antike. Sie wurden so genannt, weil sie von freien (männlichen) Bürgern praktiziert wurden. Und ein FREIER BÜRGER war jener, der nicht für seinen Broterwerb arbeiten musste.

Okay. Wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere, dann kann ich berichten, dass das Thema „finanzielle Freiheit“ für mich immer ein starker Antrieb war, mich mit diesen ganzen (mystischen) Themen zu befassen. Spirituelles Wachstum ist zwar ein nobles Ziel, aber mein Leben war über weite Teile so stark von finanziellen Engpässen geprägt, dass ich mich dieses noblen Ziels erst annehmen wollte, sobald der Kühlschrank und der Heizöltank gefüllt waren. Ich bin zwar, in einem gewissen, quasi naturgegebenen Rahmen, ein „spiritueller Mensch“, aber manchmal kam mir dabei das rein materiell-weltliche Dasein doch gewaltig in die Quere 😉 Dachte ich jedenfalls. Im Nachhinein hat sich oft herausgestellt, dass auch das Streben nach z.B. Geld durchaus zum persönlich-spirituellen Wachstum beitragen kann.

Jedenfalls brachte die kleine Lektion über die „Freien Künste“ als Grundlage der Mystik, die ich von meinem Mentor erhielt, bei mir sofort gewisse Fragen auf’s Tapet:
„Moooooment mal! Wenn freie Bürger die sind, die nicht für ihren Broterwerb arbeiten müssen, was ist dann die Ursache und was ist die Wirkung?“, fragte ich (nicht ohne Hintergedanken – denn wenn man durch diese Künste „finanziell frei“ werden sollte, dann würden die ab sofort zu meinem Lieblingsthema erklärt  – dachte ich mir so 😉 ). Mein Mentor sah mich kurz verwirrt an, so fügte ich an: „Also sind die Bürger frei, weil sie die Künste studieren, oder studieren sie die freien Künste, weil sie sonst nix zu tun haben und dafür frei sind?“

Der Herr Mentor grinste breit, jedoch eine Antwort auf meine Frage bekam ich nicht (was allerdings nicht weiter ungewöhnlich ist. In den meisten Fällen heisst das soviel wie: „das ist eine gute Frage, und die Antwort kommt, sobald du sie dir erschlossen hast.“ – nunja.)

Als ich dann noch erfuhr, dass die legendären „Sieben Sachen“, die man zu packen pflegt, wenn man irgendwo seine Zelte abbricht, ebenfalls diesem Themenkomplex entstammen, wurde ich sehr hellhörig. Hauptsächlich deswegen, weil genau dieser Aspekt für mich ein Kernthema darstellt: ich leide allgemein kaum unter Geldmangel – damit kann ich umgehen. Worunter ich allerdings massiv leide, ist von Geldmangel verursachte Immobilität. Reisen ist für mich, von jeher, ein Lebenstraum. Ich bin, im Rahmen meiner Möglichkeiten, durchaus viel gereist, aber mit mehr finanziellem Spielraum hätte ich vermutlich kaum etwas anderes getan. Reisen, also „Unterwegssein“, ist das, was am ehesten meiner eigenen Natur entspricht. Und dieser Spruch „seine sieben Sachen packen“ , der löste schon immer in mir sämtliche vorhandenen Fernwehschalter aus, seit ich in meiner Jugend einen irischen Freund hatte, dessen gesamtes Hab und Gut in eine Reisetasche passte (was ich einerseits bewundernswert und andererseits damals sehr minimalistisch fand).

Die klassichen Sieben Sachen der klassischen Freien Künste sind:

  • Eine Rute bzw. Peitsche – sie symbolisiert die Grammatik
  • Tafel und Griffel (oder Lorbeerkranz) – symbolisch für die Rhetorik
  • Schlange oder Hundekopf – für die Dialektik (oder Logik)
  • Rechenbrett oder Rechenseil – steht für die Arithmetik
  • Zirkel oder Staubtafel – für die Geometrie
  • Ein Musikinstrument – für die Musik
  • Ein Astrolabium – für die Astronomie

Die ersten drei dieser sieben freien Künste gehören zum so genannten Trivium (die folgenden vier werden als Quadrivium bezeichnet). Heute wird das Trivium als eine historische Einteilung von Studienfächern angesehen, doch die Schriften deuten darauf hin, dass es früher einen völlig anderen Stellenwert hatte. So wird berichtet, dass der römische Feldherr Caesar einen Legionär dabei „erwischte“, wie selbiger einem Sklaven „das Trivium beibrachte“, weil er sich davon versprach, dass der Sklave effizienter und besser zu arbeiten vermögen würde. Caesar war so erbost, dass er dem Legionär androhte, er würde ihn auspeitschen und den feindlichen Barbaren überlassen, sollte er ihn noch einmal dabei erwischen, einem „Niederen“ die „hohe Kunst des freien Denkens“ zu eröffnen. Daraus ergibt sich der Hinweis, dass es sich beim Trivium nicht nur um eine Art „Lehrplan“ mit Schulfächern handelt, sondern es handelt sich um eine „Technik des Denkens“.

Aus dieser Tradition, diese Künste (als Grundlage zum freien Denken) zu studieren, dann die sieben Sachen zu packen und auf Wanderschaft zu gehen, entstand in vielen „kunstfertigen Berufen“ die Tradition der Wanderschaft (bzw. Walz) der Lehrlinge und/oder Gesellen. Übrigens unterschieden sich auch die Maurer und die FREImauerer hauptsächlich dadurch, dass die Maurer Handwerker waren, während die Freien Maurer jene waren, welche diese freien Künste studiert hatten.

Ich werde mich hier wohl noch eingehender mit verschiedenen Aspekten dieser Thematik, die ich jetzt nur mal grob angerissen habe, befassen. Vorerst ist der wirklich zentrale Punkt dieser „historischen Details“, dass die Mystik keineswegs ein schwurbelig-ungreifbares Süppchen ist, das man sich aus irgendwelchen Fantasievorstellungen zusammenköchelt, sondern es handelt sich tatsächlich um eine „Wissenschaft“ mit ganz sachlichen Werkzeugen des Geistes. Grammatik, Rhetorik und Dialektik sind Begriffe, die wir wohl nur noch grob im Deutschunterricht oder beim Fremdsprachenlernen am Rande anschneiden, doch es handelt sich EIGENTLICH um die drei Kernfragen: Wie ist etwas in seiner Natur? Wie erscheint es dem Beobachter/Zuhörer? Und wie wirkt es sich aus?

Dem aufmerksamen Beobachter mag auffallen, dass der Unterschied zwischen „männlicher“ und „weiblicher“ Denkweise eher im dritten Punkt des Triviums zu vermuten wäre, jedenfalls nach moderner Auffassung. Da wird den Männern gerne ein Hang zur Logik diagnostiziert, während man bei den Frauen eher den Schwerpunkt auf die Dialektik (den Dialog) legen möchte. Doch in der klassischen Mystik ist das sowohl falsch, als auch unwahr. Dass Frauen nicht zu den freien Bürgern zählten, hatte weltanschauliche Gründe. Ihnen war weniger der Zugang zum „Freisein“ vorenthalten, sondern sie hatten einfach nicht die Möglichkeit, Bürger zu sein, denn sie waren etwas völlig anderes, nämlich Frauen. Über lange Epochen hinweg ging manN davon aus, dass der weibliche Verstand nicht zum Denken befähigt ist. Darüber können wir lamentieren und jammern, aber es nutzt wenig. Freuen wir uns lieber darüber, dass heutzutage die meisten Menschen, wenn auch tatsächlich noch längst nicht alle, tatsächlich davon ausgehen, dass weibliche und männliche Gehirne rudimentär die gleiche Grundbefähigung zu ihrer Nutzbarkeit mitbringen.
Die Mystikerinnen des Mittelalters fand man in Klöstern, und sie studierten durchaus alle diese Künste, auch wenn sie natürlich, wie die Männer auch, ihre eigenen Vorlieben hatten. Sie stellten eine gewisse Form von „Subkultur“ dar, denn sie waren keineswegs anerkannte Denkerinnen, auch wenn manche von ihnen im Nachhinein „heilig gesprochen“ wurden, sondern wenn sie mal etwas sagten oder schrieben, was einem Mann bemerkenswert vorkam, dann wurde es nicht der jeweiligen Frau zugesprochen, sondern dem Geist Gottes, der durch sie sprach, weil sie, als Frau, die Fähigkeit hatte, sich jenem zu öffnen und hinzugeben.

In dieser mittelalterlichen Sichtweise stecken wir bis heute fest, auch wenn wir uns einbilden, wir hätten grosse Fortschritte gemacht. „Weibliche Mystik“ ist ein beinahe nicht vorhandenes Randthema. Und das ist auch richtig so! Denn MYSTIK ist geschlechtsneutral. Ich will noch einmal darauf hinweisen, was Mystik ist: es handelt sich um das Suchen und Finden des Absoluten. Zum Beispiel absoluter Wahrheit. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine absolute Wahrheit nicht geschlechtsspezifisch sein kann. Doch stellt sich die Frage, ob der Weg zur Erkenntnis des Absoluten bei Frau und Mann unterschiedlich ist?

Sicher ist: Wer sich auf die „mystische Reise“ begeben will, der braucht dazu die notwendigsten Ausrüstungsgegenstände, um das Absolute vom Relativen unterscheiden zu können, und welche das sind, und ob es wirklich notwendig ist, Grammatik und/oder Astronomie zu studieren, darüber schreibe ich dann in meinem nächsten Eintrag (der diesmal hoffentlich nicht wieder ein halbes Jahr auf sich warten lässt 😉 )

 

 

Mystik?

„Der Ausdruck Mystik“, so heisst es bei wikipedia, „(von griechisch μυστικός mystikós ‚geheimnisvoll‘, zu myein ‚Mund oder Augen schließen‘) bezeichnet Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung.“ (zum kompletten Wiki-Beitrag)

Ich selbst fühlte mich immer zur „Mystik“ hingezogen, allerdings habe ich viele Jahre von Versuch, Fehlschlag und neuem Versuch gebraucht, um meinen ganz persönlichen „Mysterienweg“ zu erkennen. Gegangen bin ich ihn allerdings schon, bevor ich ihn erkannt habe.

Das ist mutig. Das ist unmodern. Mancher wird sogar sagen, es sei verwerflich, falsch – oder gar „böse“. Denn welchen Raum hat das Streben nach einer ABSOLUTEN Wahrheit in einer Zeit, die in jeder Hinsicht zur Toleranz gegenüber allen Wahrheiten, Meinungen, Ansichten und Lebensweisen aufruft?

Nun, aus meiner Sicht, der Sicht einer Mystikerin, hat es bislang sehr wenig Raum, und somit sehr viel unsichtbare Präsenz. Das sind verschwurbelt-komplizierte Worte für eine simple Beobachtung: der Mensch sehnt sich nach dem Absoluten. Und je relativer alles um uns herum wird, desto mehr Sehnsucht verspüren wir nach diesem ETWAS, das indiskutabel und eben absolut ist.

Dieses ETWAS wurde auf unterschiedliche Arten benannt und umschrieben. Der bekannteste Name dafür ist „Gott“. Ein sehr bekannter, aber leicht verwechselbarer Name ist „Liebe“. Andere Namen sind „Wunder“, „spirituelle Erfahrung“, „Metaphysisches“, „das Unsichtbare“ oder „Seelenheimat“. Ich persönlich nenne es ganz gerne „das Heilige“. Doch auch das sind alles nur Worte für dieses ETWAS. Und das Verrückte mit diesem ETWAS und Worten ist, dass es sofort nicht mehr dieses ETWAS ist, sobald man versucht, es mit Worten zu beschreiben.

Jedenfalls befasse ich mich mit diesem ETWAS seit annähernd 35 Jahren (und ich bin jetzt 41 Jahre alt 😉 ). Als Kind war es einfach dieses Gefühl, dass es Wunder gibt. Und manchmal sogar das Gefühl, dass es nicht nur Wunder gibt, sondern dass in allem irgendwie ein Wunder steckt. Je mehr Verstand ich entwickelte, desto weniger wunder-voll wurden die Dinge, und es war ein langer Weg, um wieder ansatzweise zu erahnen, was ich als Kind schon mal erahnt hatte: dass einfach alles ein absolutes (kein relatives) Wunder ist, und man, also Mensch, nur herausfinden muss, wie man es genau das, was es ist, sein lassen kann…

Mein eigener Weg war sehr experimentell und sehr krumm und schief. Nur rückblickend lässt sich eine Zielführung erkennen, während ich unterwegs war, wirkte es sehr oft wie eine Sackgasse. Abgesehen von den ganz normalen Aspekten des Lebens (Beruf, Liebesleben, Alltag,…) spielte das, was man „Spiritualität“ nennen mag, für mich immer eine grosse Rolle. Ich begann als Christin, fand meinen Weg in die christlich geprägte Esoterik, wandelte weiter zur altdeutschen Hochmagie und wurde schliesslich in eine indigene Krieger-Tradition eingeweiht, was mich indirekt zum Paganismus brachte. Naturreligion und Magie vermengten sich eine Weile lang, bis ich schliesslich auf sehr alten Mysterientraditionen des Abendlandes traf. Hier bin ich geblieben. Erst innerhalb dieser Mysterientraditionen, ihrer Lehren, Techniken und Möglichkeiten, schlossen sich die Lücken des Verstehens und „Selbst-Erlebens“, die der eher eklektische Weg bislang hinterlassen hatte. Ich brauchte Anleitung und hier und da einen saftige Tritt in den Hintern 😉

Ich blogge über meinen Weg nunmehr seit ca. 2007, also seit rund zehn Jahren. Allerdings immer, wie es der Mystik gebührt, „im Geheimen“, nämlich in einem privaten Forum, zu dem nur eng Vertraute Zugang haben. Eher unbewusst etablierte sich über die Zeit bei mir das Selbstverständnis als Mystikerin. Vor Kurzem wollte ich mir eine neue E-Mail-Adresse zulegen, und das erste, was mir in den Sinn kam, war der Name „Mystikerin“. Die E-Mail-Adresse war verfügbar. Ich war verblüfft. Seit ungefähr 20 Jahren nutze ich das Internet, und dass ich ein einzelnes Wort, ohne Zahlenkombinationen, pfiffige Wortspielereien, etwaige Unterstriche oder Zusätze als Mail-Anschrift nutzen konnte, liegt bestimmt 15 Jahre zurück. Also testete ich weiter. Auch bei einschlägigen Plattformen war dieser Nutzername „Mystikerin“ nicht vergeben.

HUCH!!!!

Das war der Moment, in dem ich beschloss, mit meinem Blog „öffentlicher“ zu werden. Denn egal, wie unsichtbar „das Heilige“, die Mystik und jene Mystikerinnen und Mystiker auch sein mögen: sie sind wichtig.

So soll dieses Blog mittel- bis langfristig zu einer Informationssammlung, einer Art „Info-Point“, einem Treff- und einem Findepunkt werden. Es gibt Anlaufpunkte für männliche Mystiker in verschiedenen Religionsgemeinschaften und dem, was man unter dem Begriff „Logen“ kennt. Doch die Welt ist eindeutig reif für etwas mehr WEIBLICHE Mystik 😉

 

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