Dein Wille geschehe

Ein paar meiner Äusserungen (im Artikel „Blood over intent“) haben hinter den Kulissen für ein bisschen Aufregung gesorgt, und daher möchte ich auf ein wichtiges Thema etwas genauer eingehen:
Der freie Wille.

Im Grunde herrscht überall auf der Welt, offen oder versteckt, eine gewisse Uneinigkeit über eine zentrale Frage: hat der Mensch einen freien Willen?
(Und wenn ja: hat er die geistige Kapazität, diesen selbst zu bestimmen?)

ZB bin ich kein grosser Freund des Buddhismus. Obwohl ich damit völlig gegen den Trend gehe, stört mich die in weiten Teilen buddhistischer Weltanschauung propagierte Vorstellung von Karma, aber vor allem seine Konsequenzen im menschlichen Handeln stösst mich ab. U.a. schon alleine, weil ich eine Frau bin, und das im (traditionellen) Buddhismus als das mieseste Karma von allen bewertet wird. Meine Abneigung dagegen hat aber keineswegs egoistische Gründe, sondern eher menschenrechtliche. So galt und gilt es in weiten Teilen der buddhistisch geprägten Welt als durchaus hilfreich für den bzw. die „Inhaberin“ solch miesen Karmas, schon als kleines Mädchen sexuelle Dienste für buddhistische Mönche zu leisten (damit konnte frau Karma abtragen), und auch der Gatte, der erzieherisch sein Weib aus dieser Inkarnation prügelte, tat keineswegs ein Unrecht, sondern leistete einen hilfreichen Beitrag zur „karmischen Entwicklung“ der ihm Angetrauten.
Elendig in tiefster Armut Verreckende waren (und sind) keine humanitäre Verantwortung der Gesellschaft, sondern je grösser ihr Leid, desto mehr Karma können „die Glücklichen“ bereinigen und davon dann in ihrer nächsten Inkarnation profitieren.

Ein ähnliches Denkmodell zeigte sich im christlichen Glauben des Mittelalters und in manchen neuzeitlichen Bewegungen des Christentums.
Da stehen auf der einen Seite die evangelikalen „Reichtums-Prediger“, die davon ausgehen, dass Gott jene, die er liebt, durch besonders bemerkenswerten weltlichen Wohlstand segnet. Das hat aber auch die Kehrseite, dass man jene, die nicht so „gottgefällig“ sind, die ein Leben in Sünde irgendeiner Art führen, daran erkennen kann, dass sie materiell schlechter gestellt sind.
Auf der anderen Seite stehen die „Hasse die Welt“-Erwachsenengetauften unterschiedlicher Richtungen, die ihr Leben im Einklang mit der Lehre Jesu daran zu erkennen hoffen, dass die Welt sie hasst, und sie die Welt. Ihnen ist jede „Hingabe an das Weltliche“ zuwider und sie erkennen „den Feind“ (einen gewissen Satan) daran, dass er alles Weltliche in den Vordergrund stellt.
Womit sie der Kirche des Mittelalters und dem Buddhismus wieder sehr nah sind, denn dahinter steckt der alte Glaube: „Das Leben ist ein Jammertal und je zahlreicher deine Entbehrungen und Leiden in diesem Leben waren, je grösser wird dein Lohn im Himmelreich (bzw nächsten Leben)!“

Die moderne NewAge-Spiritualität und „Selbstoptimierungsszene“ kommt zwar scheinbar ohne dogmatischen Gottesbegriff aus, aber der Schein trügt. Auch wenn man es nicht mehr „Gott“, sondern „Spirit“ oder „Universum“ nennt, bleiben die Aussagen sehr oft zwischen den beiden Extremen hängen. Da heisst es dann nicht mehr „Sicher ist deine schwere Erkrankung Gottes Strafe, und wenn du sie annimmst und betest, wird er dir vergeben!“, sondern halt: „sicher ist deine schwere Erkrankung eine Hilfestellung des Universums, dich in die für dich richtige Richtung zu lenken.“ Anstatt: „der Bettler hat gewiss kein gottgefälliges Leben geführt“ heisst es: „Menschen, die in Armut leben, haben einfach die falschen Gedankenmuster.“ Oder es heisst: „Spiritualität ist der Weg vom Materiellen in das, was wirklich zählt – das Universum unterstütz uns mit Lernaufgaben auf dem Weg zu unserer ganz persönlichen Erfüllung in der geitigen Einheit aller Dinge.“ anstatt: „Gott liebt jene, die die Welt verachtet.“

Im Kern sind die Unterschiede zwischen Glaubensrichtungen, Religionen und Weltanschauungen nicht so gross, wie man denkt. Es lässt sich auf eine Kernfrage herunter brechen: ist alles vorherbestimmt oder haben wir einen freien Willen?

 

Welcher Glaube ist nun der richtige und wahre?
Ehrlich: ich weiss es nicht.
Für mich war „Spiritualität“ immer eines der Top-Themen meines Lebens und ich habe mich von verschiedenen Glaubensrichtungen angezogen gefühlt und im Rahmen dessen auch tief-spirituelle Erfahrungen gemacht. Im Jahr 2014 habe ich dann „Gott getroffen“ und seitdem steht für mich relativ viel fest, ABER: ich bin auch ein sehr sachlich denkender Mensch. Ich kann unter keinen Umständen garantieren, dass meine Begegnungen mit dem „Übernatürlichen“, von denen jene 2014 nur die Eindrucksvollste war, aber nicht ansatzweise die einzige, keine Halluzinationen oder sonstige Sinnesstörungen waren. Für mich schliesst das eine das andere auch nicht aus: warum sollte das Göttliche nicht über Halluzinationen mit uns kommunizieren? Aber dennoch: es könnte sich auch schlicht um Fantasiebegabung, chemische oder physische Körperstörungen oder einfach Einbildung handeln.

Glaube ist ein Kopfsprung ins Ungewisse – und das per Definition. Wenn es wirklich „Gewissheit“ wäre, wäre es nicht Glaube, sondern Fakt. Und Glaube ist für viele Menschen ein wichtiger und zentraler Bestandteil ihres Lebens.

Daher würde ich es mir nie heraus nehmen, einen Glauben bzw eine Glaubensrichtung zu kritisieren – denn die Wahrheit ist: ich weiss es nicht, ob genau diese Glaubensrichtung den „wahren Glauben“ hat. ABER: was ich mir immer herausnehmen werde, ist die Kritik an Glaubensrichtungen, die einem rein sachlich-faktischen Humanismus unterlegen sind. Das bedeutet: ich kritisiere nicht den Buddhismus, aber ich kritisiere es, wenn der Glaube Kinderprostitution in Mönchsklöstern hervor bringt. Ich kritisiere nicht das Christentum, aber ich kritisiere es, wenn es dem Mann ein Besitzrecht an seiner Frau, ein Prügelrecht für seine Kinder oder eine „Hass-Pflicht“ für seine Gläubigen beinhaltet. Immer, wenn die Abwesenheit von DIESEM einen Glauben ein besseres, friedlicheres und erfüllteres Miteinander für die Menschen bedeutet, dann ist genau dieser Glaube für mich nutzlos und, ja, falsch. Glaube, der die Menschen und das Leben bereichert und stärkt, ist gut. Aber wenn der reine Menschenverstand bessere Lebensbedingungen bewirkt, als Menschenverstand + Glaube, dann bin ich sehr dafür, diesen spezifischen Glauben aus der Gleichung zu streichen. Das hat wieder etwas mit Logik zu tun: Götter, die schlechtere Umstände hervorbringen, als Menschen, sind, gelinde gesagt, nutzlos – wenn nicht bösartig.

Und so kam ich persönlich an einen Punkt, wo ich das „umgekehrte Gedankenexperiment“ gewagt habe. Normalerweise prüft man einen Glauben auf seine Glaubwürdigkeit, indem man, für sich persönlich, jene Punkte prüft, die einem eher unglaubwürdig erscheinen. Ich begann aber damit, einfach mal davon auszugehen, dass der jeweilige Glaube der WAHRE Glaube ist. Und mir die Frage zu stellen, was das für Konsequenzen hätte.

Nehmen wir den christlichen Glauben als Ausgangspunkt. Diesen kenne ich am besten, da ich in einem christlichen Kulturkreis aufgewachsen bin.
Wenn der ursprüngliche, christliche Glaube (wie er in der Bibel steht und von den Kirchen interpretiert wurde) wahr ist, wird jeder, der seine Sünden bekennt und Jesus Christus als seinen Herrn akzeptiert, am Tag des jüngsten Gerichts von den Toten auferstehen und ins Himmelreich auffahren. Dem Rest blüht, je nach Glaubenszeitalter, entweder der ewige Tod oder eine Ewigkeit in der Hölle.

Wenn dieser Glaube wahr ist, dann gab es, seit Schöpfung der Welt, ein paar Milliarden Seelen, die für den ewigen Tod oder die Hölle „geschaffen wurden“ (denn auch wenn Gott uns einen freien Willen liess, so war er dennoch der Schöpfer und wusste von Anbeginn der Zeit, wer sich für ihn entscheiden würde) – und, nach Bibelangaben, 144.000 „Auserwählte“, die auf die richtige Art geglaubt haben. Es gibt derzeit 2,26 Milliarden Christen – und da auch Moslems und Juden an den einen Gott glauben, könnten wir sie mitrechnen: 1,57 Milliarden Muslime und 14,2 Millionen Juden.
Obwohl diese Zahlen keinen Aufschluss darüber geben, wieviele Menschen davon als „praktizierende Gläubige“ zählen, reden wir hier von beinahe 4 Milliarden Gläubigen, von denen 144.000 NICHT in der Hölle bzw dem ewigen Tod landen. Mal abgesehen von den übrigen rund 4 Milliarden absichtlich Ungläubigen oder Falschgläubigen. Die wären ja „selbst schuld“ 😉
Und das sind nur die derzeit Lebenden – hinzu kommen ja noch die ganzen Verstorbenen, die dann wieder auferstehen, um gerichtet zu werden.

Jetzt kommt der Clou: auch hier in meiner Gegend werben die Baptisten-Gemeinden nach wie vor mit dem Slogan: „Die gute Nachricht: Jesus liebt Dich!“
Aber rein rechnerisch eben nur, wenn Du zu einer sehr verschwindend kleinen Elite zählst. Natürlich geht jeder gläubige Christ davon aus, dass nun grade er zu eben jenen Auserwählten zählen wird. Grade wenn er eine spirituelle Erfahrung gemacht hat und Jesus wirklich begegnet ist, steht es ja völlig ausser Frage… Doch wenn die Bibel wahr ist, dann gibt es eben auch unter sehr gläubigen Christen eine erdrückende Überzahl, die am letzten Tag erschreckt festellen wird, dass sie leider nicht eingeladen ist.

Und ich?
Zunächst mal bin ich eine unverheiratete Frau, die aussereheliche, intime Begegnungen hatte, und damit habe ich sowieso keine Zugangsberechtigung zum Himmelreich. Hinzu kommt, dass mir, und ich kenne nur wenige Menschen (im Vergleich zu Gott), auf Anhieb wörtlich Hunderte einfallen würden, die, nach christlichem Massstab, die Erlösung hundertfach mehr verdient hätten, als ich. Dann noch meine heiss geliebten Tiere – die loyalsten, bedingungslos liebensten Geschöpfe, die ich jemals traf – und sie kommen wahlweise (je nach Auslegung) in einen eigenen Himmel oder haben keine Seele und sind somit ganz raus… Selbst, wenn ich es irgendwie in den Himmel schaffen würde: Ich weiss nicht, ob ich eine Ewigkeit aushalte, in der ich weiss, dass Seelen, die es viel mehr verdient hätten, als ich, in ewiger Verdammnis brüten und die besten Freunde (Tiere), die ich je hatte, niemals zu mir dürfen… Ich fürchte, der Himmel wäre für mich die Hölle. Ich kann das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, grettet zu werden, wenn es sooooooooooo viele Seelen gibt, die ewiges Leid erfahren.

Kurz: wenn es wahr wäre, wäre es schon jetzt mein Albtraum, und meine Chancen auf Erlösung wären sowieso gleich Null. Da ich noch lebe, kann ich also für den Rest meiner Tage einen Glauben wählen, der mir wenigstens die Zeit vor meiner ewigen Verdammnis etwas erträglicher macht.

Übrigens: exakt zum gleichen Ergebnis komme ich mit den Glaubensrichtungen, die an klassisches Karma glauben. Wenn am Ende des Weges meine „Erlösung“ stünde, egal ob durch göttliche Gnade oder durch Eigenleistung aufgelöstestes Karma, dann stünden auf der anderen Seite dieser Gleichung so viele Geschöpfe, die ich liebe – und die „noch nicht soweit sind“. Haltet mich für bekloppt, aber das ist einfach nicht mit meiner Auffassung von Liebe vereinbar – schon gar nicht mit „göttlicher Liebe“. Denn meine Liebe, mein Mitgefühl, mein Wunsch, dass es anderen gut ergeht, würde sich gegen mich richten.

Die Lösung haben zB. die Zeugen Jehovas: hier vergessen die „Auserwählten“ dann im Himmelreich sowohl die, die sie mal liebten und die es nicht geschafft haben, als auch alle anderen, die nicht mit auf die „Neue Erde“ kommen. Gnadenvoller ist es – liebevoller allerdings nicht.

Und genau dort kommt der freie Wille ins Spiel. Ich will das nicht. Ich will nicht einen Gott lieben und ehren, der Milliarden Seelen in die Hölle verdammt und sich von seinem kleinen 144.000er-Elite-Club bis in alle Ewigkeit für seine Liebe und Gnade preisen lässt.
Dieser Glaube ist für mich kein Glaube an die Liebe Gottes, sondern Hass. Blanke Menschenverachtung. Wenn es der wahre Glaube ist, dann ist mir mein Glaube an Liebe und Güte, an Werte und Humanität, tatsächlich wichtiger, als die Androhung ewiger Verdammnis. Nicht, weil ich so heldenhaft wäre – ich habe schon Angst davor. Aber ich bin einfach nur ehrlich: ich könnte es nicht. Ich könnte keinem Gott in aller Ewigkeit Liebe und Lobpreis vorheucheln, der Millionen Kinderseelen in die Hölle schickt. Nicht mal Kinderseelen – auch die geprügelte Frau, die ihr Leben lang ihr Bestes gegeben hat, aber wegen ihres Leids einfach nicht an die Liebe Gottes glauben konnte, hat einfach nicht die Hölle verdient. Und da ich mich damit über Gott stelle, bin ich schon wieder „raus“ – aber es ist einfach die Wahrheit: wenn das seine Regeln sind, halte ich sie nicht aus… Schon gar nicht „für immer“.

Wie gesagt: das Christentum ist nur ein Beispiel. Stelle ich mir Valhalla vor, dann kann ich mir zwar ausmalen, dass ich einige Jahrhunderte Spass dabei hätte, mich jeden Morgen mit meinen Freunden zur Schlacht zu treffen um einander die Schädel einzuschlagen, in dem vollen Bewusstsein, dass wir am Abend zusammen mit Odin feiern – aber „für alle Ewigkeit“ – Äonen über Äonen? Ähm – nee… 😉

WENN ich, rein hypothetisch, einen freien Willen habe, dann führt dieser Wille dazu, dass alle Menschen (bzw Seelen) eines Tages „gerettet“ sind. Wenn ich meinen freien Willen als Grundannahme, als Glauben, durchspiele, dann würde sich aus meinem freien Willen nicht nur meine Eigenverantwortung ergeben, sondern auch ein tiefes Mitgefühl. Ich WILL NICHT in einer Ewigkeit leben, in der es „Verdammte“ gibt. Ich WILL NICHT, dass Kinder vergewaltigt werden, damit sie ihr Karma abtragen. Ich WILL NICHT, dass Tiere als seelenlose Objekte betrachtet werden. Ich WILL NICHT, dass ein pseudo-liebevolles Universum dem Menschen Lern-Lektionen erteilt, indem es ihn mit lehrreichem Krebs oder sonstigem Siechtum segnet. Ich WILL NICHT, dass irgendeine Form von Leiden durch irgendeinen x-beliebigen Glauben gerechtfertigt wird. Ich WILL NICHT, dass Menschen Macht über andere Menschen ausüben, um ihnen einen Himmel, egal ob in einer parallelen Wirklichkeit oder auf Erden oder sonstwo, zu bescheren.
Ich prüfe meinen Willen anhand des Gedankenspiels, dass er mich die Ewigkeit kosten könnte – und wenn er Bestand hat, dann ist das, was übrig bleibt, eben „mein Glaube“.

Wie jeder Mensch bin ich der Souverän meines Willens.
Nicht immer meines Schicksals, nicht immer meiner Lebensumstände, nicht mal immer meiner Gedanken – aber ich habe die Freiheit, selbst zu entscheiden, was ich gut oder schlecht finde. Ich bin die moralische Instanz in meinem Leben – und handele nach meinem besten Wissen und Gewissen, im Rahmen meiner Möglichkeiten und nach meinem eigenen Willen.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet – was nun thematisch den Kreis zu „blood over intent“ schliesst. Die Ewigkeit ist immer ein recht guter Anhaltspunkt: wenn es wahr wäre, wenn man also ein Versprechen, Gelübde, Bekenntnis oder einfach nur ein Statement abgeben würde, und es hätte wörtlich für immer Gültigkeit – welches Statement würde man dann guten Gewissens abgeben? Würde man versprechen, nicht eher zu ruhen (egal, ob es eventuell tausende von Leben und Tode dauert) bis alle Menschen aus jeder Form von Knechtschaft befreit sind, einschliesslich derer, die gar nicht frei von Knechtschaft sein wollen? Oder würde man einem Gott seinen immerwährenden Lobpreis versprechen, der Abermilliarden Seelen in ewige Qualen verdammt? Würde man sich dem Karma verpflichten, auf dass alle Menschen sich „in die Freiheit der Erleuchtung entwickeln“ bzw ihr Leid auflösen, völlig egal, wieviele tausend Leben des Leids es dauert? Würde man sich einem Universum anvertrauen, das Menschen mit dem „falschen“ Gedankenmuster „liebevoll“ durch Gewalterfahrungen und bitterste Armut in ihrer Entwicklung unterstützt?
Würde man jemanden ewige Liebe schwören, egal, ob er oder sie eine/n Andere/n liebt? Würde man sagen „ich werde dir immer treu sein!“, wenn „immer“ wirklich wörtlich gemeint ist?

Kurz: wenn man jeden denkbaren Willen daraufhin prüft, ob er in Ewigkeit Bestand hat, dann ist das, was nach dieser Prüfung übrig bleibt, das einzige an „göttlichem Willen“, das ich für meine potenzielle Ewigkeit ertragen könnte.

Oder mal anders gesagt: um einer höheren Macht Gehorsam zu schwören, muss sie meinen moralischen Werten überlegen sein. Ein Gott, der Milliaden Seelen verdammt, ist es nicht. Ein Universum, das liebevoll leiden lässt, ist es nicht. Und rein geistige Gesetze, die zwar gewisse Mechanismen der Seele erklären, aber Elend durch Unsichtbares und wissenschaftlich nicht Nachweisbares rechtfertigen, sind es nicht.
Ich akzeptiere keinen Glauben, der unter meiner Würde ist. Denn meine Würde ist mein Geburtsrecht, sogar im Einklang mit beinahe allen Glaubensrichtungen – und das betrifft ALLE Menschen. Insofern gibt es keinen Glauben, der mich dazu bringen kann, freiwillig die Würde – meine oder die von Milliarden anderen – am Eingang eines ominösen „Himmels“ abzugeben. Meine Erlösung ist ein Mogelpaket, wenn sie die Würde von auch nur einem einzigen anderen Leben kostet… Und das sei gesagt: das schliesst Jesus mit ein!

Für welchen „Himmel“ bist Du bereit, einzutreten?

Insofern ist „freier Wille“ vielleicht eine Illusion, aber es ist eine, die einen zu jener Moral führt, die der eigenen, inneren Wahrheit entspricht.

 

Vergebung – hier ist sie

5 Kommentare zu „Dein Wille geschehe“

  1. Liebe Mystikerin, du schreibst mir von der Seele….danke vielmals für deine Worte.
    Der Freie Wille fängt damit an, dass wir unfreiwillig auf Erden gelandet sind…
    Aber da ist der Wille Gottes, gepaart mit einer unfassbaren Liebe und Leidenschaft für seine Geschöpfe. Gott ist Schöpfer des Lebens, er will Leben, er will uns! Ich bin immer wieder sprachlos ob all den Lebensgeschichten, die er zulässt, in welchen er sich manifestiert als der Eine in Allem. Ich freue mich, dass ich ein Teil seines Willens bin, seiner grossartigen Geschichte mit uns Menschen. Wow!
    Alles Liebe und Gute dir!
    Brig

    Als ein Gedanke
    war ich bei dir
    du dachtest mein Leben
    von Anfang an
    genau so
    wie du jedes Leben dachtest

    Welch grossartige Geschichte
    hast du dir da ausgedacht!
    Und ich bin Teil davon
    ich darf teilhaben
    ich bin
    so wie ein jeder ist
    in dieser Geschichte

    Das Geniale ist
    und manchmal leider auch das Fatale
    du lässt uns mitschreiben
    jeder hinterlässt ein Kapitel
    auf dieser Erde

    Du aber bleibst
    Schöpfer und Vollender
    Das grosse Finale
    du hast es schon geschrieben
    Alles wird gut, weil du es so willst
    ich will es auch
    ja, ich glaube
    alle wollen es
    Im tiefsten Grunde des Herzens
    sehnt sich ein jeder danach
    dass du die Geschichte
    diese unglaublich schöne
    tragisch wunderbare Menschheitsgeschichte
    zu einem glücklichen Ende führst

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Liebe Brig,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und das Teilen Deiner wunderschönen „Zeilen an Gott“ 🙂
      Immer, wenn ich aus den etwas tieferen Schichten meiner inneren Wahrheit schreibe (wie zB dieses Mal), ist das ein bisschen eine Überwindung. Kann es doch leicht missverstanden werden, kann es eventuell sogar kränken oder verletzen…
      Genau dann ist es so berührend, wohltuend und schön, „richtig“ verstanden zu werden – dafür danke ich Dir sehr!

      Ich wünsche Dir auch alle(s) Liebe!
      M.

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  2. Blind glauben, bedeutet blind zu sein.
    Blind zu sein, bedeutet leiden zu müssen.
    Müssen bedeutet zu leiden.
    Und MÜSSEN bedeutet WOLLEN ZU MÜSSEN. Das hat mit dem Eigenwillen zu tun.

    Das bedeutet Wahl. Wählen.
    Der Freie Wille bedeutet Wahl.
    Doch ein Großteil dessen ist nur eine Wirkung anderer Ursachen, die vergessen oder ignoriert werden.
    Der ganze Kosmos und darüber hinaus gibt es nur Ursache und Wirkung.
    Die ganze Manifestation von Zeit und Raum bedeutet nur Ursache und Wirkung.

    Dies zu erkennen bedeutet, sich zu erkennen.
    SICH zu erkennen bedeutet, nicht mehr leiden zu müssen.
    Selbsterkenntnis befreit die Seele, das Selbst, das Bewusstsein aus dem Kreis aller Wiedergeburten innerhalb von Zeit-Raum, die mit jeder Neugeburt vergessen werden.
    Und Selbstvergessen bedeutet Leid.

    Man hat den freien Willen innerhalb eins gesamten Mechanismus von Karma.

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    1. Hallo muktananda,
      benannt nach *dem* Muktananda? (Shaktipat-, Siddha Yoga- und Kashmir Shivanismus Muktanada?)
      Falls ja, würde ich Dir (ich hoffe, es ist ok, wenn ich „Du“ sage) jetzt am liebsten sinnbildlich Löcher in den Bauch fragen 😉

      Soweit ich dem, was Du schreibst, gedanklich folgen kann, stimme ich Dir absolut zu. Ich finde es immer etwas schwierig, dass der Karma-Begriff von westlicher Esoterik adaptiert und zu einem „Dualitäts-System“ á la „gute Taten vs. böse Taten auf einer Strichliste“ gemacht wurde, während mein Eindruck tatsächlich mehr der von einem Rad bzw eines, wie Du es nennst, Mechanismus ist.

      Ich muss aber zugeben, dass das auch in der Hermetik sehr hervorgehobene Prinzip von „Ursache und Wirkung“ für mich als geistiges Konzept völlig einleuchtend ist, ich mir auf einer rein praktischen Lebensebene aber schon seit bald einem Jahrzehnt (wiederum sinnbildlich) die Zähne daran ausbeisse…
      Aus Deinen Zeilen spricht Erfahrung und Erkenntnis – und ich danke Dir von Herzen für das Teilen!

      Mit liebem Gruß,
      M.

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      1. Erstens, den lieben Gruß mit Dank zurück.
        Zweitens, habe wenig bis nichts gemeinsam mit dem bekannten Swami Muktananda. Es gibt viele Muktanandas in Indien, als auch Yoganandas, wie auch Müllers, Schmidts, Schmids, Schmieds, wiederum Maiers, Mayers, Meyers und auch Meiers in Deutschland. Komme nicht aus Indien.
        Natürlich „du“- wie denn sonst? Sind wir nicht alle Brüder und Schwestern?
        Ja, Ursache und Wirkung ist ein kosmisches Urprinzip, dem ein ganzes sichtbar- unsichtbares Mechanismus zugrunde liegt. Doch auch dieses ist selbst eine Auswirkung eines anderen, das noch mehr in Vergessenheit geraten wurde: das Einheitprinzip. Die Einheit, die gleichzeitig Vielfalt zu sein scheint. Das, woraus Zeitraum und die kosmische Illusion besteht.
        Davon kann man lesen und hören, doch Theorie braucht die Prüfung der Praxis. Und erst wenn die Erste den Test der Zweiten besteht, wird sie vollkommen.

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