„Blood over Intent“

der schwarzmagische youtube-Trend, der immer wieder aufflammt

(was kein Zufall ist)

 

Ich halte nichts von Angst. Ich lehne Religionen, Glaubensmodelle und politische Konstrukte, die mit Angst werben oder deren bestes Argument für ihre Überzeugungen die Furcht vor Verdammnis, Umvolkung, Klimawandel-Massensterben oder 5G ist, vollkommen und von ganzem Herzen ab. Angst macht kopflos, und Kopflosigkeit war schon immer ein Garant für dämliche Entscheidungen.

Dennoch möchte ich heute vor einem immer wieder aufflackernden Trend im Internet warnen, der aus dem englischsprachigen Raum immer mehr und öfter auch nach Deutschland schwappt: Blood over intent („Blut über Absicht“, frei übersetzt: „blutiger Ernst“).

Dabei vollziehen Menschen ein halbwegs harmlos wirkendes Ritual, bei dem sie sich häufig filmen, und benetzen oder beträufeln eine vorher auf ein Papier geschriebene „Absichtserklärung“ mit ihrem Blut. Auf genaue Details will ich hier nicht eingehen, allerdings ist das im Internetzeitalter auch nicht mehr nötig – wer unbedingt will, kann Tante Google fragen.

Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Magie, dem Judentum und seinen Reinheitsgeboten, dem Christentum und der Bedeutung des Blutes Christi oder dem Voodoo befasst hat, wird eventuell schon ahnen, dass es keine so gute Idee ist, „mal eben“ ein bisschen Blutmagie für ein paar Views zu veranstalten.
Aus diversen Gründen wird in den Legenden, in denen Menschen Verträge mit einem Teufel unterzeichneten, oft das Blut des Unterzeichnenden anstelle von Tinte verwendet. Warum genau Blut einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt, ist ein Thema, mit dem man nicht nur ganze Bibliotheken füllen könnte, sondern mit dem bereits ganze Bibliotheken gefüllt wurden. Hier soll die simple Aussage genügen: Blut symbolisiert die Bindung der Seele an die Materie, zB an diesen Körper. Es ist die „Essenz“ der materiellen Existenz. Während „die Absicht“ die Essenz des freien Willens darstellt, und somit unseres Geistes.

Während viele Kritiker von „Blood over intent“ vor eben jener („schwarzen“) Blutmagie warnen, ist es aber nicht so sehr die sehr tiefgehende Verbindlichkeit, die man durch ein Blutritual erzeugen kann, sonder das, wovor ich EINDRINGLICHST warnen möchte, ist die Absichtserklärung, der sich da manche Menschen mit ihrem Blut verpflichten. Diese besagt nämlich etwa, manchmal leicht abgewandelt, den folgenden Satz:
„I intend to usher in heaven on Earth and release everyone from bondage“.
(Ich beabsichtige, den Himmel auf Erden einzuleiten/zu begleiten und alle aus der Knechtschaft zu befreien).

Auch in „erwachten“ „befreie dich aus der Matrix“-Kreisen finden derartige Formulierungen grossen Zuspruch – doch sie sind keineswegs so „wohlwollend“, wie sie erscheinen.

In den mystischen Traditionen des Abendlandes (aber nicht nur da) geht man von einer Polarität aus, die (nun ganz verallgemeinernd zusammengefasst) auf „Himmel“ und „Erde“ basiert. In der erwachseneren Variante bedeutet das „Immaterielles“ und „Materielles“ oder „Gott“ und „Schöpfung“. Egal, welchem Glauben man sich verbunden fühlt, sogar wenn es die reine Wissenschaft ist, an der man sich orientiert: immer gibt es zwei Kräfte, zB das „Bewusste“ und das „bisher Unbekannte“.
„Himmel“ und „Erde“ waren von alters her ein Symbolbild für zwei sich ergänzende Kräfte, die manchmal im Spannungszustand, manchmal in Wechselwirkung funktionieren, jedoch nur in ihrer Polarität ein Ganzes ergeben.

Ebenso von alters her gab es immer zwei bzw. drei „Gruppen“ von Menschen, und ich möchte es mal einfach und kindlich formulieren: die, die durch ihre Taten in den Himmel kommen wollten, die, die durch ihre Taten alles an Unerklärlichem erklären und sozusagen die „göttliche Macht“ alleine weltlich begreifen wollten und, zB in vielen indigenen Kulturen, dem Taoismus oder manchen Zweigen der Gnostik noch jene, die den Menschen als ein Wesen „zwischen Himmel und Erde“ (den Kopf im Himmel, die Füsse am Boden) und wahlweise Trennung oder Verbindung der beiden Kräfte begriffen.

„Der Himmel auf Erden“ beschreibt keineswegs das Paradies, sondern quasi den Weltuntergang oder die völlige „Fleischwerdung“ des Göttlichen, was nur auf den ersten Blick verlockend klingen dürfte. In Wahrheit ist es das sehr alte Bestreben gewisser Personen und Gruppierungen, die Stellung von „Göttern auf Erden“ einzunehmen. Vor allem aber ist es das Bestreben, das Gleichgewicht der Kräfte zu beenden. Mal anhand eines Beispiels: ein himmlischer Zustand wäre sicher die Heilung aller Krankheiten, Das würde aber zeitgleich die Ausrottung eines der grössten Ökosysteme des Planeten (nämlich Viren und Bakterien) bedeuten. Nochmal anders: der Gazelle ihr Himmel ist des Löwen seine Hölle. Auch wenn das Christentum schon lange davon träumt, dass Wolf und Lamm friedlich beieinander ruhen, so ignoriert diese Vorstellung doch völlig die Wünsche des Wolfes. Ein „paradiesischer Zustand“ wäre nicht, wenn der Wolf seine Natur ablegt und die Bedürfnisse des Lammes erfüllt, sondern wenn alles Leben seiner Natur gemäss in Einklang miteinander leben könnte.
„Kann ja nicht so schlimm sein, wenn ich erkläre, dass ich jeden aus der Knechtschaft befreit sehen will!“, sagte neulich jemand, mit dem ich das Thema besprach.

Das kommt nun darauf an, für wie machtvoll du – also adressiert an diese Person – dich nun hältst. Wenn du wirklich, aus ganzem Herzen und mit all deinem gesunden Menschenverstand, davon ausgehst, dass du Erfolg haben wirst und mit diesem Ritual für alle Menschen den Himmel auf Erden und eine Befreiung aus jeder Knechtschaft innerhalb deiner Lebensspanne erreichen wirst, dann ist alles wohl relativ harmlos.
Solltest du deine mit deinem Blut unterschriebene Absicht nicht innerhalb deines Lebens erreichen, dann hast du soeben die Besitzrechte an deinem freien Willen an irgendwen überschrieben, und zwar BIS zur Erreichung deines Ziels. Du hast sozusagen einen Blanko-Scheck ausgestellt, die Währung ist deine „Essenz“ und die Gültigkeit ist „bis alle aus der Knechtschaft befreit und der Himmel auf Erden realisiert ist“.

Einen „Blutschwur“ kannst du nicht so leicht brechen, und er läuft erst ab, wenn du aus der Knechtschaft, die du freiwillig eingegangen bist, befreit bist (denn Du gehörst ja auch zu „everyone“) – also nie? Und WEM GENAU hast du diesen Schwur eigentlich geleistet?

Das war jetzt sehr viel „Geunke“, aber dieser Internet-Trend ist tatsächlich mal „blutiger Ernst“, auch wenn es vorerüst einfach nur „Glaubenssache“ sein mag 😉
Solltest Du damit liebäugeln: benutze Kunstblut oder Ketchup – aber am besten lässt Du es einfach ganz 😉

Solltest Du ein solches „blood over intent“-Ritual vollzogen haben, und nun oder zu einem späteren Zeitpunkt ein eher ungutes Gefühl im Bezug darauf entwickeln, oder bemerken, dass sich etwas „komisch“ anfühlt, kannst Du mich gerne kontaktieren. Obwohl freiwillig und absichtsvoll deklarierte „Blut-Eide“ sehr schwer aufzulösen sind: unmöglich ist es nicht. Und soweit ich es vermag, will ich Dir gerne dabei helfen.

Nun würde ich gerne zum Abschluss einen klugen Spruch raushauen, sowas wie „Mit Magie spielt man nicht“, oder so… Doch leider wäre das gelogen. Der Mensch ist ein neugieriges Geschöpf, grade dass sich bei uns Spieltrieb und Vorsicht so die Wage halten, hat überhaupt erst unseren Fortbestand gesichert… Insofern sind sowieso alle Warnungen vergeblich 😉 Und das weiss ich aus Erfahrung… *g*
Final waren es immer unsere „Dummheiten“, aus denen wir, als Menschheit, gelernt haben. Zwar manchmal eher später als früher, aber dennoch mit einer bewunderswerten Hartnäckigkeit 😉

 

 

 

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