Apokalypse

Im Zusammenhang mit dem derzeitigen Weltgeschehen lese ich dieser Tage öfter mal das Wörtchen „Apokalypse“. Mal von Verschwörungstheoretikern, die nun den Zeitpunkt der Umsetzung einer Neuen Weltordnung durch eine Elite verkünden, mal von Esoterikern, die den Untergang eines alten Paradigmas und den Übergang in ein neues gekommen sehen. Manchmal auch von Pragmatikern, die einfach davon ausgehen, dass die globalen Pandemie-Massnahmen zu einer weltweiten Rezession und damit indirekt zum Untergang der uns bekannten Zivilisation führen könnten.
Jedenfalls bezeichnet „Apokalypse“ wohl generell, im Sprachgebrauch, etwas, das mit einem Weltuntergang zu tun hat. Und bei den Optimisten etwas mit einer Neuauferstehung.

Ursprünglich stammt das Wort aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Entschleierung“ oder „Enthüllung“. Im Christentum setzte sich die etwas freie Übersetzung „Offenbarung“ durch.
Dabei ist wohl der bekannteste Text die „Offenbarung des Johannes“, das letzte Buch des Neuen Testaments. Es ist ein Text, überladen mit mehr oder minder symbolisch zu deutenden Bildern, Zahlen und geschilderten Szenerien, die an Traumbilder erinnern.
Generell geht man davon aus, weil es das letzte Buch der Bibel ist, es würde sich dabei um eine Prophezeihung über das Ende der Welt und „das jüngste Gericht“ handeln.

Tendenziell handelt es sich aber eventuell einfach um eine Verwechslung zwischen Genitiv und Dativ. Wenn da steht: „die Apokalypse des Johannes“, verstehen viele Menschen, auch sehr gelehrte Menschen, „die Ankündigung einer Apokalypse, empfangen, aufgeschrieben und verkündet von dem Johannes.“

Der Unterschied wurde mir persönlich erst bewusst, als ich das erste Mal eine Sammlung der Nag Hammadi Schriften in den Fingern hielt. Ich kannte manche der Texte, aber erst, als ich sie komplett mit einem Inhaltsverzeichnis vor mir liegen sah, las ich dort von einer Menge Apokalypsen: Die Apokalypse des Petrus, die Apokalypse des Paulus, die Apokalypse des Adam, Jakobus hatte sogar gleich zwei Apokalypsen, usw…
Erst da verstand ich, dass die „Apokalypse“ das ist, was Mystiker anstreben: die Enthüllung der Wahrheit und die Begegnung mit der (absoluten) Wirklichkeit.

Aus meinen eigenen, beschränkten Erfahrungen kann ich berichten, dass selbige „Erkenntnismomente“ tatsächlich nicht leicht zu beschreiben sind. Manchmal kommt es mir sogar so vor, als würden jedwede „Studien“, egal ob wissenschaftlich, spirituell, über Symbole oder Sprachbedeutungen, völlig egal, in welchem Bereich, letztendlich nur dem einen Zweck dienen, dem Verstand genug „Vokabeln“ an die Hand zu geben, um ihm in solchen Momenten wenigstens den Hauch einer Chance zu geben, sie geistig zu verarbeiten. Es ist sicher ein menschliches Bedürfnis, sie auch mit anderen zu teilen, doch wie die alten Gnostiker, die solche Texte verfassten und bewahrten, stosse dann auch ich an jene Grenze, dass ich zwar in meinem Gehirn genau weiss, was ich mit dem jeweiligen Symbolbild, bzw. dessen Schilderung, zum Ausdruck bringen will, aber die Chance, dass jemand dann unter diesem gewählten Symbolbild exakt das versteht, was ich zum Ausdruck bringen wollte, ist annähernd gleich Null.
Möglicherweise ist das auch der wahre Hauptgrund, weshalb es traditionelle Mysterienschulen gibt: sofern man von Anfang an ähnliche Erfahrungen mit ähnlichen Begrifflichkeiten und „Metaphern“ belegt, fällt zu einem späteren Zeitpunkt, wenn es um individuelle Erfahrungen geht, der Austausch anhand gemeinsam fixierter Begriffe leichter?

Jedenfalls schildert zB. Johannes in seiner Apokalypse keineswegs das Ende der Welt, sondern er schildert die Begegnung des Johannes, und zwar nur des Johannes, mit der Wahrheit, und den daraus resultierenden Zusammenbruch seiner eigenen Illusionen, Ängste und Hoffnungen. Damit schildert er auch den „Graben“ zwischen Johannes im Alltag seiner Zeit und Johannes „in der Wahrheit“, und indirekt gibt das sicher ein gewisses Mass an Aufschluss darüber, wie weit seine damalige „Wirklichkeit“ sich von der „Wahrheit“ unterschied. Doch obwohl die absolute Wahrheit nunmal absolut ist, und ein Erkennen dieser Wahrheit folglich bedeutet, dass ALLE die selbe Wahrheit erkennen, ergibt sich aus diesem Graben dazwischen letztendlich das Erleben und Verarbeiten dieser Wahrheit. Es kann also keiner zurück aus dieser Erfahrung kommen, und sagen: „Die Wahrheit ist so und so!“, sondern er kann immer nur die Wahrheit anhand dieses Grabens schildern.

Derzeit sehe ich im Bekannten- und Freundeskreis durchaus viele kleinere und grössere „Apokalypsen“. Sowohl im sprachgebräuchlichen Sinn, als auch im mystischen Sinn. Manche Existenzgrundlage ist schwer ins Wanken geraten, viele Menschen müssen tatenlos ihre Ängste aushalten. Durch einen veränderten Alltag werden auch viele Lebensbereiche einer Prüfung unterzogen, vieles ist aus dem Takt geraten und wird dadurch in einem anderen Licht betrachtet.

Für mich persönlich stand schon Silvester fest, dass es ein „spezielles“ Jahr wird. Nicht nur, dass eine astrologische Konjunktion von Pluto und Saturn im Zeichen Steinbock einen bedeutenden, globalen Wandlungsprozess ab Februar ankündigte, sondern ganz privat fiel mein 44ster Geburtstag in das Jahr 2020 (Quersumme 4) 😉

Generell gilt aber: wir werden’s überleben! Die absolute Mehrheit von uns jedenfalls. Soviel steht fest.
Was wir, jeder für sich, und alle gemeinsam, daraus machen, mag zwar irgendwo geschrieben stehen, aber wenn, dann hat’s sicher ein Mystiker aufgeschrieben, und dann kann’s kein normaler Mensch so verstehen, wie er es gemeint hat… 😉 Also werden wir, wie eh und jeh, halt selbst entscheiden müssen, dürfen – und können.

Es sind apokalyptische Zeiten, in vielerlei Hinsicht, und obwohl es beängstigend und sicher auch manchmal ziemlich herausfordernd sein kann, bin ich absolut sicher, dass darin weitaus mehr Chancen und Möglichkeiten stecken, als „Untergänge“. Machen wir was wirklich Gutes draus!

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